Wien - Zu wenig Geld für das bereits gelieferte Getreide: Mit dieser Situation sehen sich österreichische Biobauern derzeit konfrontiert. Der Bioverband ist offenbar mit verantwortlich für die Misere.
Ein Liquiditätsengpass führt möglicherweise dazu, dass österreichische Biobauern zu wenig Geld für ihr bereits geliefertes Getreide erhalten.
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Die Anbauer von Biogetreide in Österreich sehen sich wieder einmal damit konfrontiert, dass sie Getreide abgeliefert haben, für das sie wahrscheinlich einen Teil des ihnen vertraglich zugesicherten Geldes nicht erhalten werden. Der Grund dafür ist die neuerliche finanzielle Schieflage des Vermarktungspartners Bio-Qualitätsgetreide GmbH (BQG). Zwar wollten die Biobauern endlich wieder in ein ruhigeres Fahrwasser gelangen, doch hinter den Kulissen gehen weiter die Wogen hoch.
Im Jahr 2010 hatte die Agentur für Biogetreide für Schlagzeilen gesorgt,
als sie kurz vor der Ernte ihre Zahlungsunfähigkeit bekanntgeben
musste; mittlerweile ist die Gesellschaft längst in Konkurs. Nun fehlt
es offenbar auch dem Nachfolgeunternehmen BQG an Liquidität. So sollen
einige Lieferanten dazu aufgefordert worden sein, bereits ausbezahlte
Beträge an die BQG zurückzuüberweisen. Die Liquiditätsprobleme der BQG
waren bereits im vergangenen Herbst über ein Rundschreiben an die
Mitglieder von Bio Austria publik gemacht worden. Als Begründung wurde
angeführt, dass Qualitätsprobleme bei Lagerhaltern im Ausmaß von 750.000
Euro teilweise im Rechtsstreit geklärt werden müssten. Allerdings
wurden die wirtschaftlichen Probleme des Unternehmens bis zuletzt
heruntergespielt.
Zorn richtet sich gegen eigenen Verband
Besonders brisant an dem Fall ist die Tatsache, dass die beiden
Bio-Austria-Landesverbände von Niederösterreich und Burgenland zu 51 Prozent
an der BQG beteiligt sind. Damit richtet sich der Zorn der geschädigten
Biobauern in erster Linie gegen den eigenen Verband. Vor allem Bio
Austria Niederösterreich hatte immer wieder vorgeben, die Interessen der
Landwirte zu vertreten, die 2010 bei der Pleite der Agentur für
Biogetreide geschädigt worden waren; nun ist der Verband offenbar
mitverantwortlich für die aktuelle Misere.
Auf besonderes Unverständnis
stößt die Tatsache, dass es der BQG nicht gelungen ist, sich von
Personen aus der Zeit vor der ersten Pleite der Agentur für Biogetreide
zu trennen. Mittlerweile wurde der Obmann von Bio Austria
Niederösterreich, Karl Erlach, de facto entmachtet. Damit soll,
wie es heißt, eine unverhohlen angedrohte Abspaltung der Ackerbauern aus
dem Bioverband abgewendet werden. Zudem weigern sich etliche
Getreidebauern, ihre Mitgliedsbeiträge zu leisten, solange die
Vorkommnisse nicht eindeutig aufgeklärt sind.
Der Bundesverband Bio
Austria stand im Sommer vergangenen Jahres zwar dem Einstieg seiner
beiden unabhängigen Landesverbände in die Vermarktung skeptisch
gegenüber, hatte aber keinen direkten Einfluss darauf. Ende Dezember
2011 hatte Bio Austria selbst einen Brief an die Lieferanten der BQG
verschickt und darin eine Mahnung an die neuen Eigentümer der BQG
empfohlen.
Mehr Stabilität durch Firmeneinstiege
Im vergangenen Jahr wurde die leidige Problematik der
Biogetreidevermarktung in Österreich durch den Einstieg der Raiffeisen
Ware Austria und der Getreidehandelsfirma Fritz Mauthner etwas
gemildert. Beide Unternehmen hatten große Mengen Biogetreide übernommen.
Dies hat nach den Worten von Bio-Austria-Obmann Rudi Vierbauch
dem Markt Stabilität gegeben.