Donnerstag, 17.05.2012
Geflügelschlachthof Wietze: Streit geht weiter
Hannover - In Niedersachsen herrscht weiter Uneinigkeit. Während die FDP den Geflügelschlachthof in Wietze verteidigt, sprechen die Grünen vom "Megaflop", der am Markt vorbei produziere.
Inzwischen fertig: Der umstrittene Hähnchenschlachthof in Wietze.
© landpixel
Der neue agrarpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Hans-Heinrich Sander, verteidigt die Entscheidung der Landesregierung, den Bau des umstrittenen Geflügelschlachthofes in Wietze finanziell zu unterstützen. Als Beweis zieht er die weiter steigende Nachfrage nach Geflügelfleisch heran. Grünen-Vizefraktionschef Christian Meyer verweist indes auf die relativ niedrige Auslastung des Schlachthofes.
Sander: Verbraucher entscheidet durch Nachfrage
Sander betonte, die Verbraucher
stimmten mit den Füßen ab. Es gebe weiterhin eine große Nachfrage nach
Hähnchenfleisch. "Über die Essgewohnheiten der Verbraucher entscheiden
keine rot-grünen Politiker im Landtag", sagte Sander. Er unterstrich,
durch die richtige Strukturpolitik würden viele hundert Arbeitsplätze im
ländlichen Raum geschaffen, könnten die Bedingungen der Tierhaltung,
des Tiertransports und der Schlachtung lückenlos nachverfolgt und somit
höchster Verbraucherschutz gewährleistet werden. Eine Produktion im
Ausland könne das nicht nachvollziehbar leisten. Der
Landwirtschaftskammer zufolge seien 2011 trotz höherer Eigenproduktion
mehr als 600.000 Tonnen Hähnchenfleisch aus dem Ausland importiert
worden, stellte Sander fest.
Meyer: Schlachthof nutzt nur ein Viertel der beantragten Menge
Dagegen sprach Meyer
in Bezug auf den Schlachthof in Wietze von einem Negativbeispiel. Dort
werde zurzeit nur ein Viertel der beantragten Produktionsmenge
verarbeitet. Meyer forderte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann
dazu auf, eine Bundesratsinitiative für die Abschaffung des Bauprivilegs
für entsprechende Anlagen auf den Weg zu bringen. "Die für Wietze
genehmigte Schlachthofauslastung mit 135 Millionen Tieren pro Jahr mit
400 Tierfabriken mit je 40.000 Hühnern liegt in weiter Ferne", erklärte
der Grünen-Politiker.
Verarbeitete Tiere kommen nicht aus der Region
Nach Angaben der Landesregierung seien im
Einzugsbereich des Schlachthofes im Jahr 2010 nur 22 neue Mastställe
genehmigt worden; 2011 seien 28 weitere Anträge im Verfahren gewesen.
Brancheninsider würden bestätigen, dass die Mehrzahl der in Wietze
verarbeiteten Tiere nicht aus der Region stamme, sondern Tiere teilweise
aus Dänemark "angekarrt" würden. Der vom Land mit 6,5 Millionen Euro
geförderte Schlachthof erweise sich damit als Megaflop und produziere am
Markt vorbei.
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AgE/pd
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